Eisschnelllauf Weltcup 2024/25: Deutsche Erfolge in Heerenveen
Der Auftakt der Eisschnelllauf-Weltcup-Saison 2024/25 in Heerenveen hat aus deutscher Sicht für mehrere positive Überraschungen gesorgt. Im Hochburg-Heimwettkampf der Niederlande, der Thialf-Eishalle, behaupteten sich die deutschen Athletinnen und Athleten mit drei Top-Sechs-Platzierungen — ein Saisonauftakt, der wenige Wochen zuvor in der Form noch nicht prognostiziert worden war. Bundestrainer Erik Bouwman zeigt sich „sehr zufrieden mit der Mannschaftsleistung".
Claudia Pechstein: das Comeback, das nie endet
Die 52-jährige Claudia Pechstein gehört auch in der Saison 2024/25 zum festen deutschen Aufgebot — und sie demonstrierte in Heerenveen erneut, warum. Auf der 3000-Meter-Distanz holte sie einen sechsten Platz, vor Athletinnen, die mehr als 20 Jahre jünger sind. Pechstein ist damit das wandelnde Argument dafür, dass Spitzensport im Eisschnelllauf nicht zwangsläufig eine Sportart der Spätzwanziger sein muss.
Im Vorfeld hatte Pechstein vor dem Saisonstart angekündigt, dass diese Saison eventuell ihre letzte sein könnte. Die Sechs in Heerenveen ist ein Statement: Solange die Form stimmt, geht es weiter. Eine konkrete Olympia-Mailand-2026-Qualifikation hat sie sich offiziell nicht zum Ziel gesetzt — aber niemand würde sich wundern, wenn sie zumindest die nationalen Auswahlrennen anvisiert.
Felix Maly: zweite Saison, deutlich gereift
Der 22-jährige Felix Maly aus Erfurt zählt zu den heißesten deutschen Eisschnelllauf-Talenten der vergangenen Jahre. In seiner zweiten vollen Weltcup-Saison zeigte er in Heerenveen, dass die Anlaufphase abgeschlossen ist: Über die 1500 Meter belegte er einen starken vierten Platz — eine Distanz, die einst von Erben-Wennemars und Roald Erkamp dominiert wurde. Mit nur 18 Hundertstel zum Bronze ist es eine knappe, aber sportlich klar einzuordnende Leistung.
Maly hat in der Sommer-Vorbereitung gezielt an seinem Start und der ersten Kurve gearbeitet. Diese Schwachstelle, die in den vergangenen Saisons immer wieder Zehntel kostete, scheint zumindest in Heerenveen kein Problem mehr zu sein. Bei den Weltmeisterschaften im Februar 2025 in Hamar (Norwegen) gilt er nun als Medaillenkandidat.
Massenstart: deutsches Highlight
Der vielleicht spannendste Wettkampf des Wochenendes war der Massenstart der Männer. Patrick Beckert, mit 33 Jahren mittlerweile der Routinier im deutschen Aufgebot, fuhr in einer dramatischen Schlussrunde auf den dritten Platz. Es ist die erste Weltcup-Medaille seiner Saison und gleichzeitig die Bestätigung, dass die Tüftelarbeit von Bundestrainer Bouwman im Massenstart-Bereich Früchte trägt.
Die Disziplin Massenstart, in der bis zu 16 Athleten gleichzeitig starten und über 16 Runden um Punkte und Endplatzierung kämpfen, eignet sich besonders für taktisch versierte Athleten. Beckert nutzte in Heerenveen genau diese Stärke: Er hielt sich in der Mittelgruppe versteckt, ging in Runde 13 in die Spitze und sicherte sich mit einer kontrollierten Schlussrunde die Bronze hinter dem Niederländer Bart Hoolwerf und dem Kanadier Connor Howe.
Das Frauen-Sprintteam
Auf der 500- und 1000-Meter-Sprintdistanz behauptete sich Anna Ostlender mit einem siebten und neunten Rang — Ergebnisse, die für die 24-Jährige aus Berlin eine bedeutsame Steigerung gegenüber der Vorsaison darstellen. Ihre Trainerin Monique Garbrecht-Enfeldt, selbst Olympiamedaillengewinnerin, hat die Sprintarbeit in den vergangenen 14 Monaten gezielt umstrukturiert. Die ersten Anzeichen sprechen für die Richtigkeit dieser Umstellung.
Was vom Wochenende bleibt
Heerenveen ist traditionell der Maßstab für die Weltcup-Saison — die holländische Eishalle bietet das schnellste Eis und die schärfste Konkurrenz. Wer hier auftaktstark abschneidet, hat eine solide Basis für die kommenden Wettkämpfe. Die deutsche Mannschaft hat diesen Test bestanden, mit Pechstein als ikonischer Konstante, Maly als zukünftigem Aushängeschild und Beckert als verlässlicher Massenstart-Spezialist.
Der nächste Weltcup-Halt führt nach Tomaszów Mazowiecki (Polen) Ende November, gefolgt von Wettkämpfen in Nagano und Calgary im Dezember. Die WM 2025 in Hamar wird der Saisonhöhepunkt vor dem Olympia-Jahr 2026.
Fazit
Das Weltcup-Wochenende in Heerenveen war für die deutsche Eisschnelllauf-Mannschaft ein gelungener Auftakt. Drei Top-Sechs-Platzierungen, ein Podestplatz im Massenstart und eine Generationenbrücke von der 52-jährigen Pechstein zum 22-jährigen Maly ergeben ein erfreuliches Saisonbild. Falls die Form bis Februar gehalten werden kann, sind die deutschen WM-Aussichten so positiv wie seit Jahren nicht.