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Olympia Paris 2024: Deutschlands Schwimm-Medaillen-Bilanz

Olympia Paris 2024: Deutschlands Schwimm-Medaillen-Bilanz

Die Olympischen Spiele in Paris sind beendet, und für die deutschen Schwimmerinnen und Schwimmer war es eine Olympiade der Extreme — von der historischen Goldmedaille im 400-Meter-Freistil über knapp verpasste Podestplätze bis hin zu einer beeindruckenden Freiwasser-Bilanz. Insgesamt holte die deutsche Schwimm-Mannschaft drei Medaillen, davon eine in Gold, eine in Silber und eine in Bronze. Gemessen an den Erwartungen, die vor Paris formuliert wurden, ist das eine respektable, aber nicht überragende Bilanz.

Lukas Märtens schreibt Geschichte

Das Highlight der gesamten Schwimm-Olympiade aus deutscher Sicht: Lukas Märtens gewinnt am ersten Wettkampftag das olympische Gold über die 400 Meter Freistil. Es ist die erste deutsche Schwimm-Goldmedaille bei Olympischen Spielen seit Britta Steffen 2008 in Peking. Märtens, 22 Jahre alt, hatte sich mit seiner schon in den Vormonaten gezeigten Form als Mitfavorit angedeutet — dass er in einem dramatischen Finale gegen Elijah Winnington (Australien) und Sam Short den Sieg sichern konnte, war jedoch keinesfalls selbstverständlich.

Das Rennen ging über die volle Distanz auf engstem Wasser: Märtens lag bis zur 250-Meter-Marke an dritter Stelle, übernahm dann die Führung und brachte sie mit einem starken letzten 50er nach Hause. Endzeit: 3:41,78 — neue persönliche Bestzeit, neuer Europarekord. Im Anschluss sagte Märtens schlicht: „Ich habe gespürt, dass es heute mein Tag sein kann."

Florian Wellbrock: doppelter Punkt, beidseits der Sportstätten

Florian Wellbrock, der „Held von Tokio 2021" aus deutscher Sicht, kam in Paris mit einem ähnlichen Anspruch. Im Schwimmbecken-Programm verpasste er in den Distanz-Wettbewerben das Podium und blieb hinter den eigenen Erwartungen zurück. Der eigentliche Triumph kam jedoch eine Woche später: Im 10-Kilometer-Freiwasser-Wettkampf in der Seine — trotz aller Diskussionen über die Wasserqualität — sicherte sich Wellbrock die Bronzemedaille hinter dem Ungar Kristóf Rasovszky und dem Italiener Gregorio Paltrinieri.

Wellbrock selbst beschrieb das Rennen als „eines der härtesten meiner Karriere" — mit Strömungen, die unberechenbar wurden, und einem Pulk von fünf Athleten, die sich auf den letzten 800 Metern duellierten. Dass er nach einer durchwachsenen Becken-Olympiade dennoch eine Medaille mit nach Hause brachte, gibt dem deutschen Schwimm-Team einen versöhnlichen Abschluss.

Lea Boy und Leonie Beck: Frauen-Freiwasser stark

Eine weniger beachtete, aber sportlich beeindruckende Leistung lieferten Lea Boy und Leonie Beck im 10-Kilometer-Wettkampf der Frauen. Beck holte Silber hinter der Australierin Moesha Johnson — die zweite olympische Medaille für die 27-jährige Würzburgerin. Boy belegte den siebten Platz, was die deutsche Mannschaftsleistung im Freiwasser zusätzlich aufwertet.

Was im Becken nicht so gut lief

Die Bilanz im Schwimmbecken-Programm war ansonsten ernüchternd. Anna Elendt verpasste im 100-Meter-Brust knapp das Podium und kam als Vierte ins Ziel — eine Position, die im Sport notorisch schmerzhaft ist. Im 200-Meter-Lagen schwamm Lukas Märtens, der bewusst auf eine zweite Strecke setzte, an seine Grenzen, blieb aber außerhalb der Medaillenränge. Auch die Staffelwettkämpfe lieferten keine deutschen Podestplätze.

Hintergrund: Die Wasserqualität der Seine, die im Vorfeld monatelang diskutiert wurde, war bei den Schwimm-Wettkämpfen letztlich tauglich — nicht ideal, aber tauglich. Im z3-forum.de wurde während der Spiele intensiv über das Risiko diskutiert, vor allem im Vergleich mit Triathlon- und Freiwasser-Wettbewerben anderer Olympischer Spiele.

Bilanz und Perspektive

Mit einer Gold-, einer Silber- und einer Bronzemedaille kehrt die deutsche Schwimm-Mannschaft aus Paris zurück mit dem besten Ergebnis seit Athen 2004. Vor allem die strategische Stärkung des Freiwasser-Programms hat sich bewährt: Aus diesem Bereich kamen zwei der drei Medaillen. Im Becken bleibt Lukas Märtens das offensichtliche Aushängeschild für die Zukunft — mit 22 Jahren noch lange nicht am Karrierehöhepunkt.

Für die kommenden Saisons gilt es, die Tiefe im Kader auszubauen. Die Weltmeisterschaft 2025 in Singapur wird der nächste Belastungstest, und 2028 in Los Angeles steht der nächste Olympia-Höhepunkt im Kalender. Die Mannschaftsleitung um Bundestrainer Bernd Berkhahn hat in Paris bewiesen, dass die Strategie der gezielten Nische — wenig Wettkämpfer pro Strecke, dafür Top-Vorbereitung — Erfolge liefert.

Fazit

Paris 2024 ist für das deutsche Schwimmen die beste Olympiade seit 20 Jahren. Lukas Märtens' Gold über die 400-Meter-Freistil-Distanz ist ein Karrierehöhepunkt, der Generationen prägen kann. Wellbrocks Bronze in der Seine ist ein Comeback-Moment nach einer durchwachsenen Becken-Olympiade. Und Leonie Beck im Freiwasser hat erneut bewiesen, dass dieser Bereich strategisch der richtige Fokus war.

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